Auf den ersten Blick gibt es Anlass zur Erleichterung im Hinblick auf den Klimaschutz. Das Thema ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, Deutschland erreicht die Kyoto-Ziele, die Bundesgrünen verständigen sich auf ein ambitioniertes klimaschonendes Energiekonzept und auch in Bielefeld gibt es mit dem „Handlungsprogramm Klimaschutz 2008 bis 2020″ klare Zielvorgaben. Alles auf guten, grünen Wegen also?
Schön wär’s, denn so erfreulich es ist, dass wir heute nicht mehr die Ökospinner sind wenn wir vom Ende des fossilen Zeitalters sprechen, so klar ist auch, dass die neue parteiübergreifende Klimaschutzbeschlusshaltung durchaus fragil ist. Und so eindeutig ist ebenso, dass wir uns darauf einstellen müssen, dass sich im Angesicht der internationalen Finanz– und Wirtschaftskrise die Stimmen wieder mehren, dass es jetzt doch zuvorderst darauf ankomme, die Konjunktur in Schwung zu bringen und sich dann um Klimafragen zu kümmern. Das erinnert Ältere unter uns an die Bundestagswahl 1990, als die politische Debatte vollständig von der deutschen Wiedervereinigung dominiert war und Grüne mit dem Slogan „Alle reden von Deutschland — wir reden vom Wetter” an der 5%-Hürde scheiterten. Die Sorge vor einer ähnlichen Stimmung lässt manche/n Grüne/n verzagt in das nächste Wahljahr blicken. Können wir mit dieser Perspektive europäisch, kommunal und im Bund bestehen: „Wir wollen die vollständige Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien so schnell wie möglich — zuerst im Strombereich und dann auch für die Wärme und den Verkehr. 2020 wollen wir schon mehr als 40% des Stroms aus Wind-, Wasser-, und Sonnenenergie, Geothermie und Biomasse gewinnen. Europa hat sich verpflichtet alles zu tun, dass die globale Erwärmung auf 2 Grad begrenzt wird… Für Europa heißt dies, 80% Reduktion bis 2050. Spätestens dann müssen wir 100% unserer Energie erneuerbar bereitstellen. Wir streben an, diese Ziel bereits 2040 zu erreichen. Deshalb werden wir uns anstrengen, Strom 2030 komplett erneuerbar zu erzeugen.” (BDK-Beschluss)
Dürfen, sollen wir mit dem in einem hauptsächlich kohle– und atomstromversorgten Bundesland wie NRW für „100% Erneuerbar” werben ohne von rechten Sozial– und sonstigen Demokraten der Deindustrialisierung geziehen zu werden?
Wir können das nicht nur — wir müssen es tun!
Denn die aktuellen deutschen Emissionszahlen geben keinen Anlass zu Selbstzufriedenheit. Im Gegenteil: 2008 zeigt der Emissionstrend wieder nach oben. Im Kraftwerksbereich ist der Treibhausgas-Ausstoß kräftig gestiegen.
Und die Zeiten haben sich geändert. Es gibt mittlerweile unzählige mutmachende Beispiele für den Ausstieg aus dem fossilen Wrtschaften. Zum Beispiel die „grünste Stadt Europas”, das schwedische Växjö, das seinen CO2-Ausstoß seit 1993 bereits um ein Drittel verringert hat und mit seinem mit Holzabfällen betriebenen Fernkraftwerk, seiner aus Abwässern gespeisten Biogasanlage, die bald die kommunalen Busse antreiben werden, Zukunft lebt.
Oder, um einen nicht minder wichtigen Bereich, die „Lebensstilfrage”, also den individuellen ökologischen Fußabdruck zu nennen, bei der man/frau sich in der rotgrünen „Ökostadt Bremen auf der städtischen Homepage von einem „lifeguide” beraten lassen kann.
Oder auf regionaler Ebene die Aktivitäten von Klaus Meyer und seinem „Energie-Impuls OWL”, der unter anderem Firmen darin unterstützt energieeffizienter, ressourcenleichter zu wirtschaften.
Auch unsere grünen Veranstaltungen der letzten Wochen zur den „Klimaschutzschätzen der Altbausanierung”, zur „sozialen Energiepolitik” und zum „Zukunftsfähigen Deutschland in der globalisierten Welt” hatten neben vielen Detailinformationen eine gemeinsame Botschaft: Ohne Antworten auf die ökologischen Fragen wird es auf keiner Ebene befriedigende, nachhaltige Problemlösungen geben.
Wir können uns nicht zurücklehnen, weil es schon so viele „grüne” Beschlüsse gibt und wir sollten uns nicht entmutigen lassen, wenn ihre Umsetzung nicht reibungslos vonstatten geht.
Im nächsten Jahr kann von der Bielefelder Rathausspitze über den Stadtrat, das Europaparlament und den Bundestag der Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft und der Umstieg ins Solarzeitalter massiv befördert werden. Arbeiten wir dran!
