Portrait von Marianne Weiß

Foto: Adil Faitout

Von wegen alle gleich...

(aus “big — bie­le­feld grün”, Aus­gabe März 2009)

Ihr seid Euch doch sowieso im Gro­ßen und Gan­zen einig, mei­nen viele.…

Vie­les deu­tet dar­auf hin, dass die Bun­des­po­li­tik und die Wirt­schafts– und Finanz­krise die poli­ti­schen Debat­ten der kom­men­den Wochen so sehr domi­nie­ren wer­den, dass man, bzw. frau sich fragt, ob sich Enga­ge­ment vor Ort über­haupt lohnt. Es wird kaum über­ra­schen wenn ich meine: „Ja. Gerade jetzt.” Gerade dann, wenn auch wir nicht wis­sen, ob ins­be­son­dere die wirt­schaft­li­che Lage nicht noch viel schlim­mer wird. Wenn unklar ist, ob wei­tere, letzt­lich von uns allen zu tra­gende, Staats­pro­gramme not­wen­dig sein wer­den (wie sie unsere grüne Bun­des­füh­rung Medi­en­be­rich­ten zufolge bereits for­dert). Wenn einem die grüne Jugend mit ihrer For­de­rung nach kon­se­quen­te­rer Kapi­ta­lis­mus­kri­tik einer­seits aus dem Her­zen spricht und ande­rer­seits doch keine Sys­te­mal­ter­na­tive in Sicht ist.

Gerade jetzt, wo der Begriff von der „Krise als Chance” in so vie­len Mün­dern ist, soll­ten, nein müs­sen wir für unver­wech­sel­ba­res GRÜN sor­gen — durch die Ver­bin­dung von Umwelt-​​, Wirt­schafts– und Gerech­tig­keits­fra­gen. Dadurch, dass wir im Europa-​​Wahlkampf Euro­pas Wirt­schaft auf einen nach­hal­ti­gen Weg füh­ren und zum Vor­rei­ter einer grü­nen indus­tri­el­len Revo­lu­tion machen.

Um die­sen „Green New Deal”, also das kon­se­quente Umsteu­ern hin zum nach­hal­ti­gen, res­sour­cen­leich­ten Wirt­schaf­ten und hin zu einer Bil­dungs­of­fen­sive in der Breite, muss es mei­ner Ansicht nach auch im Kom­mu­nal­wahl­kampf in Bie­le­feld gehen.

Ich bin immer wie­der froh, dass wir uns ent­schie­den haben, mit einer eigen­stän­di­gen OB-​​Kandidatur sol­che The­men über­haupt auf die Agenda brin­gen zu können.

Denn bei Pit Clau­sen, mei­nem SPD-​​Mitbewerber, beschränkt sich Kli­ma­schutz dar­auf, eine Stadt­bahn nach Hee­pen zu ver­spre­chen, die noch nicht ein­mal im Pla­nungs­sta­dium ist.

Bernd Land­graf, der CDU-​​Konkurrent, fin­det, man solle die Viel­falt, sprich das Früh­sor­tier­sys­tem der Schul­for­men, auf­recht erhal­ten und über­haupt nicht alles schlecht reden. Er und seine Kin­der hät­ten mit den Bie­le­fel­der Schu­len nur gute Erfah­run­gen gemacht.

Herr Lud­wig von der Bür­ger­nähe meint, dass Poli­tik unrecht und Bür­ger grund­sätz­lich recht haben, sagt aber bei­spiels­weise nicht, was Poli­tik machen soll, um den wahr­lich nicht ein­heit­li­chen Bür­ger­in­ter­es­sen zu entsprechen.

Nicht nur ich, wir alle haben also in den kom­men­den Wochen reich­lich Raum dafür zu strei­ten, nicht mit den Rezep­ten von ges­tern den dra­ma­ti­schen Pro­ble­men von heute und mor­gen zu begeg­nen. In der regio­na­len Wirt­schaft und in Dis­kus­sio­nen am Info­stand regen sich zahl­rei­che grüne Pflänz­chen. Aber auch in All­tags­ge­sprä­chen wird deut­lich, dass vie­len klar ist, dass es kein Zurück mehr gibt zum „Wei­ter so”.

Lang­wei­li­ger Wahlkampf?

Es gibt erste mediale Kla­gen dar­über, dass der Kom­mu­nal­wahl­kampf lang­wei­lig zu wer­den droht, weil sich alle so einig sind. Diese Kom­men­tare kom­men aller­dings von genau den­je­ni­gen, die sonst auch gerne mal schrei­ben, dass Poli­ti­ker sich zum Wohle der Stadt eini­gen sollen…

Letz­te­res ist in Bie­le­feld z.B. beim Kon­junk­tur­pa­ket II gelun­gen und so wie es aus­sieht auch bei den Groß­pro­jek­ten Stadt­wer­ke­rück­kauf, Biblio­theks­um­zug und FH-​​Neubau, aber auch bei der Groß­an­stren­gung der Kon­so­li­die­rung der städ­ti­schen Finan­zen. Das ist gut so.

Aber:

  • Den­ken wir an das Foto in der NW vom Spa­ten­stich für den Erwei­te­rungs­bau Stadt­halle: Nicht ohne Grund waren GRÜNE nicht zu sehen.
  • Wenn ich auf dem Podium neben Pit Clau­sen sitze und den auto­fi­xier­ten Umbau der Det­mol­der Straße moniere, ist seine Ant­wort: „Aber irgendwo müs­sen se doch hin, die Autos.”…
  • Wenn wir im Schul­aus­schuss kon­krete Vor­schläge machen für kom­mu­nale Initia­ti­ven zu mehr län­ge­rem gemein­sa­men Ler­nen, ren­nen wir gegen eine Großkoalitonswand.
  • Bie­le­feld Gen­tech­freie Zone: Fehl­an­zeige. Sozi­al­ti­cket für Bie­le­feld: Dazu schwei­gen die ande­ren. Die Ener­gie­wende spielt kaum eine Rolle — man ruht sich drauf aus, dass die Stadt­werke schon was machen.
  • Mehr Bür­ger­be­tei­li­gung — das lehnt Herr Land­graf ab. Er bekennt sich ja zur reprä­sen­ta­ti­ven Demokratie…

Ich sehe jeden­falls auf der poli­ti­schen Bühne, (um der Sache wil­len möchte ich bei­nahe sagen, lei­der) keine Kon­kur­renz für das, was wir mit dem Eti­kett „Green New Deal” zusam­men­ge­fasst haben Auf den Begriff kommt’s dabei nicht an, aber ange­fan­gen von unse­ren Bie­le­fel­der Stadt­tei­len übers Rat­haus, den Bund und Europa: Alle müs­sen grü­ner werden.