Portrait von Marianne Weiß

Foto: Adil Faitout

Wie wollen wir in Bielefeld morgen leben?

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  • In einer Stadt, in der Bil­dung und Kul­tur zu Hause sind, die zu ihren his­to­ri­schen Wur­zeln steht und welt­of­fen ist. Eine Groß­stadt mit vita­len Stadt­tei­len, ein Ober­zen­trum mit Stär­ken, aber ohne Dünkel.

  • In einer grü­nen Stadt mit gesun­den Bäu­men in den zahl­rei­chen Parks und auf dem Teuto, mit sau­be­rer Luft und ohne stän­dige Lärm­be­las­tung. In einer Stadt, in der die Häu­ser und nicht das Klima erwärmt wer­den und in der Strom nicht mehr aus Groh­nde kommt, son­dern über­wie­gend aus Sonne, Wind und Biomasse.

  • In einer Stadt, in der nie­mand auf ein eige­nes Auto ange­wie­sen ist, weil abwechs­lungs­rei­che Wege für Fuß­gän­ge­rin­nen und Fuß­gän­ger, öffent­li­che Fahr­rä­der, Elek­tro­fahr­zeuge, Taxen, Quar­tiers­busse, Stadt­bahn und ein CarSharing-​​Fuhrpark auf höchs­tem ökolo­gi­schem Niveau kos­ten­güns­tig für alle Anfor­de­run­gen des All­tags zur Ver­fü­gung stehen.

  • Über die attrak­ti­ven, nicht allein den Kom­merz– und Ver­kehrs­be­lan­gen unter­wor­fe­nen Plätze der Stadt freut man sich immer wie­der aufs Neue. Nach­dem der Ver­kehr vom Jahn­platz ver­bannt, der Kes­sel­brink ergrünt, der Neu­markt attrak­ti­ver und der Brack­we­der Trep­pen­platz end­lich zum leben­di­gen Treff­punkt für alle gewor­den ist, spricht kei­ner mehr von den öden Plät­zen in Bielefeld.

  • Mit einer City, die nicht nur von Filia­lis­ten und Groß­märk­ten beherrscht wird, in der neben Fach­ge­schäf­ten und Büros auch gewohnt wird. Die neue Stadt­bi­blio­thek im „Haus der Bil­dung” hat sich zu einem Anzie­hungs­punkt für Jung und Alt ent­wi­ckelt. Sie ist mit einem kos­ten­lo­sen E-​​Bus, der Bahn­hof, Kes­sel­brink, Ravens­ber­ger Park, Jahn­platz und Ade­nauer Platz ver­bin­det, für alle gut zu erreichen.

  • Auch die Frei­zeit­an­ge­bote kön­nen sich sehen las­sen. Das Natur­bad in Brack­wede, das sanierte Gad­der­bau­mer Frei­bad und die frei­ge­legte Lut­ter sind Was­ser­treff­punkte für alle. Der Ober­see und einige Stau– und Müh­len­tei­che wur­den nach ihrer Ent­schlam­mung durch Bepflan­zun­gen zu so kla­ren Gewäs­sern, dass es Spaß macht, auf ihnen zu rudern und in Ein­zel­fäl­len auch in ihnen zu baden. Im Win­ter wird die alte Tra­di­tion der Eis­wie­sen wie­der belebt und auf dem Neu­markt gibt es eine Eis­bahn. Das klar beschil­derte Wege­netz lädt zum Wan­dern, Jog­gen, Wal­ken und Rad­fah­ren ein.

  • Es wird wie­der gerne in der Stadt gewohnt. Junge Fami­lien und die zuneh­mende Zahl Älte­rer fin­den in neu ent­ste­hen­den Energie-​​Plus-​​Siedlungen, oder auch in umge­stal­te­ten Innenstadt-​​Quartieren fle­xi­blen und bezahl­ba­ren Wohnraum.

  • In allen Wohn­vier­teln — nicht nur in der Innen­stadt — kann der täg­li­che Bedarf bequem gedeckt wer­den. Für die zuneh­mende Zahl Allein­le­ben­der gibt es viel­fäl­tige Frei­zeit– und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­ge­bote. Die Älte­ren und Alten genie­ßen je nach Erfor­der­nis im mitt­ler­weile flä­chen­de­ckend ange­bo­te­nen „Bie­le­fel­der Modell” Versorgungssicherheit.

  • Es ist eine Stadt für Kin­der. Sie wer­den will­kom­men gehei­ßen, ihre Eltern — wenn dies ange­zeigt ist — in der Erzie­hung unter­stützt. Sie gehen kos­ten­los in gut aus­ge­stat­tete Kin­der­ta­ges­stät­ten, in denen Erzie­he­rin­nen und Erzie­her arbei­ten, die sich stän­dig wei­ter qua­li­fi­zie­ren. Es gibt flä­chen­de­ckend fle­xi­ble Öffnungs­zei­ten und ein lecke­res Essens­an­ge­bot, das nach Mög­lich­keit regio­nal und bio­lo­gisch ori­en­tiert ist. Das beglei­tet die Kin­der dann auch in ihrer Schulzeit.

    Auf kur­zen siche­ren Wegen errei­chen sie ihre Gemein­schafts­schule, in der sie sich dar­auf ver­las­sen kön­nen, dass ihrem jewei­li­gen indi­vi­du­el­len Lern– und För­der­be­darf Rech­nung getra­gen wird. Aber auch Bewe­gung, Musik und Frei­räume fürs Spie­len sind selbst­ver­ständ­li­che Bestand­teile ihres Schultags.

  • In die­ser Stadt boo­men die Wirt­schafts­zweige der Zukunft: Die klas­si­schen „grü­nen” Bran­chen wie Solar­her­stel­ler, inno­va­ti­ver Maschi­nen­bau und Inge­nieure, die sich den Her­aus­for­de­run­gen der res­sour­cen­spa­ren­den Pro­duk­tion stel­len, Hand­wer­ker, die neue Ener­gie­tech­nik in alte Häu­ser brin­gen, Bio­land­wirte und –händ­le­rIn­nen, aber auch die vie­len Beschäf­tig­ten im Gesund­heits­sek­tor und die viel­fäl­tige Hoch­schul­land­schaft bil­den das Rück­grat der neuen Arbeitsplätze.

    Der neue Cam­pus an der Lan­gen Lage hat sich mit Leben gefüllt, sich aber gleich­zei­tig begrenzt. Es wur­den keine neuen Stra­ßen gebaut und es gab keine wei­tere Zersiedelung.

  • Die kom­mu­na­len Stadt­werke sind mit ihrem Ener­gie­kon­zept, das nahezu voll­stän­dig auf erneu­er­bare Res­sour­cen setzt, zu einem bun­des­weit beach­te­ten Vor­zei­ge­un­ter­neh­men gewor­den. Vor allem ihre Pro­gramme zur Stei­ge­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz sind in aller Munde und haben dazu geführt, dass in allen Bie­le­fel­der Haus­hal­ten nur noch die bes­ten Geräte ste­hen. Mitt­ler­weile wer­den alle ver­wert­ba­ren orga­ni­schen Abfälle in den zahl­rei­chen Biomasse-​​Kraftwerken in Ener­gie und Wärme umgewandelt.

  • Die Regio­nal­wirt­schaft erfährt eine neue Wert­schät­zung. Es hat zwar ein biss­chen gedau­ert, aber jetzt erken­nen die Ver­brau­che­rin­nen und Ver­brau­cher am neuen Regio­nal­la­bel, ob ein Pro­dukt einen wei­ten Weg hin­ter sich hat. Jetzt wird dar­über nach­ge­dacht, ob eine Regio­nal­wäh­rung, der „OWeLo” ein­ge­führt wer­den soll. Und auf den jähr­li­chen vor­weih­nacht­li­chen OWL-​​Kunsthandwerksmarkt auf dem Klos­ter­platz freuen sich alle ebenso sehr wie auf die „Bio-​​Bi”, eine Leis­tungs­schau unse­rer Bioproduzenten.

    Regio­nale Ori­en­tie­rung heißt nicht, dass glo­bale Ver­ant­wor­tung nicht gese­hen wird. Bie­le­feld hat sich dafür sen­si­bi­li­siert, unter wel­chen Bedin­gun­gen auf den Welt­märk­ten pro­du­ziert wird. „Fair Trade”-Produkte haben seit­dem einen deut­li­chen Boom erfah­ren und sind bei der Stadt und ihren Töch­tern, aber auch zuneh­mend im Han­del und in vie­len Fir­men, Standard.

  • In allen Unter­neh­men und in der Stadt­ver­wal­tung hat sich die Erkennt­nis durch­ge­setzt, dass es falsch war, auf die vie­len gut qua­li­fi­zier­ten Frauen an der Spitze zu ver­zich­ten. Bie­le­feld hat sich dar­auf ver­pflich­tet, sys­te­ma­tisch Auf­stiegs­för­de­rung für Frauen zu betrei­ben und deren Fort­schritt regel­mä­ßig zu doku­men­tie­ren. Ebenso wird durch Betriebs­kin­der­gär­ten und neue Arbeits­zeit­mo­delle die Ver­ein­bar­keit von Fami­lie und Beruf geför­dert. Dabei wer­den auch bewusst nicht nur die Müt­ter ange­spro­chen.
    Die selbst­be­wuss­ten Unter­neh­mer und Unter­neh­me­rin­nen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund sind zu einem wich­ti­gen Beschäf­ti­gungs– und Inno­va­ti­ons­mo­tor gewor­den, nach­dem die Blo­cka­den im Bil­dungs– und Aus­bil­dungs­be­reich mit ver­ein­ten Kräf­ten über­wun­den wer­den konnten.

  • Im Rah­men von öffent­li­chen Auf­trä­gen der Stadt wer­den Beschäf­ti­gungs­pro­jekte geför­dert, die auch Ange­bote für die Men­schen machen, die auf­grund von Ein­schrän­kun­gen nicht voll arbei­ten kön­nen. Sie tra­gen dazu bei, dass sinn­volle städ­ti­sche Maß­nah­men, vor allem in den Wohn­quar­tie­ren, durch­ge­führt wer­den kön­nen. Das gute Netz an Bera­tungs­an­ge­bo­ten und Hilfs­diens­ten konnte trotz finan­zi­el­ler Schwie­rig­kei­ten erhal­ten und durch Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen abge­si­chert werden.

  • Es ist eine Stadt des Mit­ma­chens und des Mit­ge­stal­tens. Die neue Ober­bür­ger­meis­te­rin hat gleich nach ihrer Wahl 2009 einen Ide­en­wett­be­werb für die 800-​​Jahr-​​Feier der Stadt 2014 aus­ge­ru­fen. Her­aus­ge­kom­men ist ein bun­tes Pro­gramm, das der Bie­le­fel­der Viel­falt und Krea­ti­vi­tät in allen 10 Stadt­tei­len ent­spricht. Poli­tik und Ver­wal­tung haben sich geöff­net und set­zen auf Durch­blick und Betei­li­gung. Mit­hilfe der neuen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­tech­no­lo­gien, aber auch in Quar­tiers­kon­fe­ren­zen, infor­miert die Stadt umge­hend über Pla­nun­gen, greift Anre­gun­gen und Ein­wände auf und bezieht sie ein. Die Jugend­fo­ren in den Stadt­tei­len haben sich bewährt, sie wer­den mitt­ler­weile regel­mä­ßig durchgeführt.

    Vor­bei auch die Zeit, in der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger nur alle fünf Jahre bei der Wahl mit­be­stim­men kön­nen. Sowohl über die grund­sätz­li­chen Fra­gen, wie sich Bie­le­feld ent­wi­ckeln soll, als auch über Ein­zel­pro­jekte wird lei­den­schaft­lich debat­tiert und dann gemein­sam gehan­delt. Die Ober­bür­ger­meis­te­rin stellt sich und ihre Arbeit jähr­lich in öffent­li­chen Stadt­teil­ver­samm­lun­gen vor.

Wann es so sein wird? Die­ses „grüne Bie­le­feld” von mor­gen wäre selbst bei abso­lu­ter grü­ner Mehr­heit im Bund, im Land und im Rat mit grü­ner Ober­bür­ger­meis­te­rin nicht im Fünf-​​Jahres-​​Programm umzusetzen.

Aber wir kön­nen weit kom­men, wenn wir uns trauen …